Demographie politischer Organisation
Die amerikanische Gruppe Patriot Front besetzt am Unabhängigkeitstag die Hauptstadt. Sie wirken wie Identitäre von vor fünf Jahren. Warum kommt das in den USA jetzt auf? Demographie!
(Bildquelle: Patriot Front)
Manchmal müssen Aktivisten nicht nur Mut, sondern auch Glück haben, und Fortuna war der Truppe um den 27jährigen Thomas Rousseau am Unabhängigkeitstag 2026 hold. Nach eigenen Angaben zogen 400 Mitglieder der Organisation, einheitlich gekleidet und mit Fahnen, durch Washington, D. C. Die offizielle Parade war wegen der Hitze abgesagt worden. So gehörte die Show allein Rousseau und seinen Männern. Der Aufmarsch und Rousseaus Rede gingen tatsächlich um die Welt, nicht bloß durchs rechte Internet. Auch in Deutschland berichteten Mainstreammedien. Nicht nur die weißen Schlauchschals, mit denen außer Rousseau alle Aktivisten sich vor Doxxing schützen, auch sonst erinnert alles an Patriot Front an die Identitäre Bewegung oder eher: an die IB von vor drei bis fünf Jahren. Warum kommt so etwas jetzt in den Staaten auf?
Geographie und Demographie bestimmen nicht nur die Weltpolitik, sondern auch den innenpolitischen Kampf und seine Formen. Vor acht Jahren schrieb ich für ein amerikanisches Publikum darüber, daß die damals häufige Frage: „Warum können wir denn nicht dasselbe machen, was die da drüben in dem anderen Land machen?“, zwar richtig gestellt, aber falsch, nämlich polemisch verstanden wird und meist damit beantwortet wird, daß irgendwer zu dumm oder faul oder zu wenig gemeinschaftlich sei oder gar, daß irgendwer Sabotage betreibe.
Dabei ist das eine vollkommen legitime Frage, die, wenn man sich ihr ernsthaft zuwendet, auch eine vernünftige Antwort zutage fördert. Zur damaligen Zeit stellten sich Amerikaner die Frage, warum in Europa, insbesondere im deutschsprachigen Raum, politischer Aktivismus auf der Straße einen Höhepunkt erlebte, der in den Vereinigten Staaten komplett fehlte, warum es in den Vereinigten Staaten keine Identitäre Bewegung gab. Andersherum sahen viele Europäer neidisch auf den viralen Onlineaktivismus der noch jungen MAGA-Bewegung. Ich erklärte das damals mit der demographischen Struktur. Europa hat die doppelte Bevölkerungsdichte der Vereinigten Staaten, Deutschland gar die siebenfache. Das macht Organisation im echten Leben deutlich einfacher. Umgekehrt bietet das englischsprachige Internet natürlich einen viel größeren Markt als das irgendeiner anderen Sprache mit Ausnahme der chinesischen. Ich prognostizierte damals, daß sich das mit der Zeit angleichen würde. Einfach, weil mit wachsender Größe der Bewegung auch Aktionsformen tragbar werden, für die man keine idealen Voraussetzungen hat. Inzwischen hat sich online vieles angeglichen, und nun sehen wir IB-gleichen Aktivismus in den Staaten. Ich wage an dieser Stelle die neue Prognose, daß Patriot Front viele ähnliche Erfahrungen machen wird, die die IB gemacht hat, insbesondere die, daß der Aktivismus recht schnell abstumpft. Die Zeit, in der man mit einer Demonstration oder einer Besetzung in die nationale oder gar internationale Presse kommt, geht schnell vorbei.
Dennoch erlebt Patriot Front, die 2017 nach der katastrophalen Demonstration von Charlottesville gegründet wurde, ihren Durchbruch zu einer anderen Zeit als die 2013 gegründete IB, deren Höhepunkt gerade in die Gründungszeit von Patriot Front fiel. Es wird interessant sein zu beobachten, wie sich die veränderten Verhältnisse, aber auch der Generationenunterschied auswirken werden. Rousseaus Rede wäre 2017 bei keiner breitenwirksamen rechten Organisation denkbar gewesen.
Mein Text von damals, eines Nobodys aus Übersee, wurde zu der Zeit nicht angenommen, so veröffentliche ich ihn hier zum ersten Mal in unveränderter Form, hier in deutscher Übersetzung. Da Substack eine sinnvolle Trennung nach Sprache nicht zuläßt, habe ich inzwischen aufgehört, auf Englisch zu publizieren; bei diesem Text werde ich eine Ausnahme machen. Ansonsten gönne man einem Intellektuellen die Eitelkeit, zu verkünden, daß er recht behalten hat. In jüngerer Zeit beschäftige ich mich wieder mehr mit den Auswirkungen solch struktureller Faktoren auf die politische Arbeit und Organisation, zuletzt am vergangenen Samstag bei einem Vortrag im Castel Aurora in Steyregg. Das Thema wird uns also erhalten bleiben.
Um eine letzte Frage zu beantworten: Nein, Thomas Rousseau ist weder mein verschollener Zwilling noch meine geheime Zweitidentität. Ich fühle mich dennoch geschmeichelt, daß man mich optisch offenbar nicht von einem 27jährigen unterscheiden kann.
Nun der Text von 2018:
Demographie und politischer Aktivismus: Unterschiede zwischen Amerika und Europa
Als deutscher Identitärer, der die politischen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten die letzten Jahre sehr genau verfolgt hat, haben mich die Brüche innerhalb der amerikanischen rechten Opposition seit einiger Zeit beunruhigt. Die Vereinigten Staaten sind, aus Gründen, die zu zahlreich sind, um in diesem Text aufgeführt zu werden, das wichtigste Schlachtfeld für das Überleben der weißen Rasse im allgemeinen.
Nichtsdestotrotz hätte ich niemals daran gedacht, mich in die interne Politik der amerikanischen Rechten einzumischen, wenn dort nicht ein Argument wäre, das von Zeit zu Zeit angesprochen wird, meist als Beleidigung, um die wahrgenommene Unfähigkeit von jemandem auszudrücken, mit dem die fragliche Person eine Meinungsverschiedenheit hat: „Schau, wie diese erfolgreichen rechten Gruppen und Parteien in Europa das machen. Ihr macht genau das Gegenteil!“
Dieses gefährlich irreführende Argument, so glaube ich, verdient eine Antwort von jemandem, der die europäische Situation aus eigener Anschauung kennt. Obwohl wir vor ähnlichen politischen und demographischen Problemen stehen, gibt es riesige strukturelle Unterschiede zwischen den Situationen rechter Aktivisten in Amerika und Europa. Amerikaner, die versuchen, erfolgreiche europäische Bewegungen zu kopieren, sind zum Scheitern verurteilt.
Im folgenden Text werde ich einen dieser Unterschiede analysieren, der für gewöhnlich übersehen wird: die Unterschiede in der Bevölkerungsgröße und der Bevölkerungsdichte zwischen Europa und den Vereinigten Staaten.
Alle Tatsachen, auf denen meine Analyse beruht, sind wohlbekannt, aber ihre Folgen werden kaum je durchdacht. Ich werde zu vermeiden versuchen, zu viel ungebetenen Rat auszuteilen, denn der ganze Punkt dieser Analyse liegt darin, diejenigen Amerikaner, die für eine Lösung ihrer Probleme nach Europa schauen, davon zu überzeugen, ihre Zeit besser dafür aufzuwenden, das Beste aus ihrer eigenen einmaligen Lage zu machen.
Bevölkerungsdichte und Aktivismus im echten Leben
Während beide fast dieselbe Größe haben (Europa: 10.178.660 km²; Vereinigte Staaten: 9.525.067 km²), hat Europa mehr als das Doppelte der Bevölkerungsdichte der USA (Europa: 487 Einwohner pro km²; USA: 220 Einwohner pro km²). Dies ist möglicherweise die Tatsache, die am meisten von denjenigen übersehen wird, die rechte Methoden europäischen Stils übernehmen wollen.
Die Implikationen der Bevölkerungsdichte für politischen Aktivismus sind gigantisch, insbesondere für rechten Aktivismus, dessen Hauptzielbevölkerung überproportional in ländlichen Regionen lebt. Weil rechte Aktivisten eine kleine Minderheit unter ihren Völkern sind, ist hohe Bevölkerungsdichte von höchster Wichtigkeit für den Erfolg ihres Aktivismus im echten Leben. Sei es für einen PR-Stunt oder für große Demonstrationen, man braucht genug Leute an einem Platz. Man mag glauben, daß man nur relativ wenige Leute braucht, aber um diese wenigen Leute zu bekommen, die nicht nur unsere Meinungen teilen, sondern bereit sind, ihr Gesicht vor einer Kamera zu zeigen, braucht man Regionen mit vielen Leuten.
Die Proteste in Chemnitz1, die in einigen rechten Zirkeln Amerikas etwas Aufmerksamkeit erregt haben, brachten nur deshalb Tausende von Leuten auf die Straße und übertrafen damit die linken Gegendemonstranten, weil viele Leute von außerhalb Chemnitz dorthin gingen, um sich den Protesten anzuschließen. Manche kamen für ein Wochenende, die meisten kamen nur für die Demonstration und fuhren am selben Abend nach Hause. Es braucht drei Stunden mit dem Auto von Berlin nach Chemnitz und anderthalb Stunden von Dresden.
Ein anderes Beispiel: Eine Woche vor den Protesten in Chemnitz veranstaltete die Identitäre Bewegung in Deutschland ein Fest in Dresden. Ich und meine identitäre Gruppe aus Trier fuhren am Samstagmorgen mit dem Auto nach Dresden, wir nahmen am Fest teil und fuhren am Sonntagabend zurück. Trier liegt im Westen Deutschlands nahe der Grenze zu Belgien, Luxemburg und Frankreich. Dresden liegt im Osten, nahe der Tschechischen Republik. Die Miete für das Auto und der Preis für den Sprit kamen zusammen auf etwa 300 €. 60 € oder 69 $ für jeden. Das ist für Studenten bezahlbar. Um von Los Angeles nach New York und zurück an einem Wochenende zu kommen, muß man fliegen; die Reisekosten liegen bei etwa 500 $. Einige gutverdienende Zeitgenossen in ihren mittleren Vierzigern mögen so viel Geld ausgeben, um eine Konferenz zu besuchen, aber jungen Leuten fehlen einfach die Mittel, so viel für politischen Aktivismus auszugeben.
Linke Protestler gegen rechte Veranstaltungen im echten Leben mögen Straßenpunks sein, aber oft müssen sie sich über Reisekosten keine Gedanken machen, denn entweder der Staat (vor allem durch veruntreute Universitätsgelder) oder irgendeine NGO wird freudig die Rechnung bezahlen. Darüber hinaus sind Linke stärker in städtischen Gebieten konzentriert als Rechte. Die meisten Leser werden mit der hier verlinkten Karte bekannt sein. Sie zeigt die Präsidentschaftswahlen von 2016 nach County. Die Höhe der Säulen zeigt die absolute Anzahl der abgegebenen Stimmen in jedem County. Es sind einige wenige blaue Türme in einem großen roten Feld. Doch die blauen Türme zeigen die Metropolregionen, wo Aktivismus im echten Leben stattfinden muß, um von der breiteren Öffentlichkeit überhaupt wahrgenommen zu werden (ohne Medienaufmerksamkeit dadurch zu erzeugen, daß man eine fettleibige Antifa-Frau umbringt2).
Organisation
Natürlich müssen Kernaktivisten weit häufiger reisen als bloß ein- oder zweimal im Jahr. Gruppen aus verschiedenen Städten und Regionen zusammenzubringen, das notwendige Vertrauen von Angesicht zu Angesicht aufzubauen, welches jede Bewegung im echten Leben notwendig braucht – dies erfordert viele Reisen.
Deutschland hat eine Bevölkerungsdichte von 1.556 Einwohnern pro km², das ist mehr als das Dreifache des europäischen Durchschnitts und mehr als das Siebenfache der Bevölkerungsdichte der Vereinigten Staaten. Als örtlicher identitärer Leiter kann ich eine neue identitäre Gruppe in einer Nachbarstadt aufbauen. Für jedes potentielle Neumitglied fahre ich los und treffe diese Person. Es ist eine Fahrt von anderthalb Stunden in eine Richtung. Mit Ausnahme von Bier und Zigaretten kostet mich diese Rekrutierungsmethode keinen Cent. Die Zugfahrt befindet sich immer noch in dem Rahmen, in dem ein Student aus Trier seinen Studentenausweis als Fahrkarte verwenden kann.
Deutsche oder europäische Modelle werden zur Organisation politischer Dissidenten in den USA nicht möglich sein. Es ist wert, zu erwähnen, daß nicht nur die Demographie, sondern auch das Parteiensystem in den meisten europäischen Ländern besser geeignet ist, Aktivismus im echten Leben zu unterstützen. Große Parteiorganisationen und die Verhältniswahl machen es einfacher, an Infrastruktur und Jobs für die Jungs zu kommen. Europäische Politik wird auch weniger durch Bestechungsgelder von Großspendern finanziert und mehr durch die legalisierte Veruntreuung staatlicher Gelder (auch bekannt als „öffentliche Finanzierung politischer Parteien und ihnen nahestehender Organisationen“), wobei man einen Anspruch hat, sich daran im Verhältnis zu seinem Stimmenanteil zu beteiligen.
Die Ökonomie des Onlineaktivismus
Andererseits gibt es, wenn wir von Europa im politischen Sinne sprechen, keine politische Einheit, die die 741 Millionen Einwohner dieses Kontinents umfaßt. Es gibt nun fünfzig souveräne Staaten auf dem europäischen Kontinent, auch wenn sechs davon nicht allgemein anerkannt sind. Dies ist der Grund, aus dem Onlineaktivismus in den Vereinigten Staaten (und Kanada) weit fortgeschrittener ist als irgendwo in Europa, mit Ausnahme vielleicht des Vereinigten Königreiches. Ich werde jetzt nicht auf soziale Medien eingehen, sondern mir stattdessen die eher traditionellen Arten von Onlinemedien anschauen.
Aus wirtschaftlicher Sicht ist Schreiben die einfachste Form des Onlineaktivismus. Man kann einen normalen Job haben und schreibt (falls notwendig unter Pseudonym) nach seinem eigenen Zeitplan für irgendeine Onlinepublikation. Artikelschreiben kann in erstaunlich großem Ausmaß von Amateuren betrieben werden. Hochqualitative Videos zu erstellen ist eine ganz andere Sache. Die Tatsache, daß Videoproduktion viel Zeit, Fähigkeiten und teure Ausrüstung erfordert, ist dabei noch das geringste Problem.
Der Markt für Videos ist ganz anders als der für Texte. Um einen Text professionell zu veröffentlichen – also nicht auf dem persönlichen Blog –, benötigt man einen Verleger, der ein Onlinemagazin betreibt. Diese Onlinemagazine sind in vielen Fällen die Blogs normaler Zeitungen, Zeitschriften oder Verlage; sie fungieren als dauerhafte Werbeoperation für Abonnements und Buchverkäufe.
Videos andererseits müssen sich selbst finanzieren. Es gibt hier auch kaum ein Äquivalent zu Onlinemagazinen. Wenn man ein anstrebender Autor ist, sendet man seinen Text an einen angesehenen Verleger, und wenn er glaubt, daß man gut genug ist, wird er die Arbeit veröffentlichen. Auf diese Weise bekommt man seine Leserschaft. Das macht es für einen talentierten Amateurautor möglich, ein oder zwei Artikel im Monat zu schreiben und doch mehr als eine Handvoll Leser zu bekommen.
Wer Leute über YouTube erreichen will, muß bei Null anfangen und sich seine eigene Basis an Zuschauern aufbauen. Dasselbe gilt meist für Podcasts (das TRS-Netzwerk ist eine bemerkenswerte Ausnahme). Um eine eigene Fanbasis zu bekommen, muß man regelmäßig veröffentlichen. Ein E-Celebrity zu werden und diesen Status aufrechtzuerhalten ist schwierig für jemanden mit einem normalen Job. Natürlich laden Unmengen normal arbeitender Leute ihr Zeug auf YouTube hoch, aber gute Qualität und eine breite Zuschauerschaft erfordern die Möglichkeit, davon seinen Lebensunterhalt zu verdienen.
Die englische Sprache versorgt Onlineaktivisten mit einem gigantischen Markt an potentiellen Zuschauern, Hörern und Lesern. Zusätzlich zu 360 bis 400 Millionen Muttersprachlern kommen 400 Millionen Zweitsprachler und 600 bis 700 Millionen Leute, die Englisch als Fremdsprache gelernt haben. Viele derer aus der zweiten und dritten Kategorie sind nicht weiß, daher ist es schwer, die Größe des potentiellen Marktes für englischen rechten Content zu schätzen. Doch es ist sicher anzunehmen, daß er mindestens bei einer halben Milliarde Menschen liegt. Man vergleiche das mit 95 Millionen deutschen Muttersprachlern weltweit und 80 Millionen Menschen, die Deutsch als Fremdsprache gelernt haben. Dänisch ist die Muttersprache von 5,3 Millionen Menschen, und nur 0,3 Millionen Leute haben es als Fremdsprache gelernt.
Wie beim Aktivismus im echten Leben braucht man die vielen, um die wenigen zu kriegen: die Zuschauer, Leser und Hörer. Aus diesen wenigen bekommt man die noch wenigeren, die den ganzen Onlineaktivismus am Leben erhalten – die Spender und Zahlschrankenabonnenten.
Deutsch ist die am meisten gesprochene Sprache der Europäischen Union, doch für einen rechten YouTube-Kanal in Deutschland ist es sehr beeindruckend, 50.000 Abonnenten zu bekommen. Das ist nicht ansatzweise in der Nähe der 800.000+ von Leuten wie Stefan Molyneux. Deshalb ist es auch viel schwieriger, in Vollzeit ein rechter Vertreter auf YouTube zu werden. Man bedenke: 50.000 Abonnenten mögen genug sein; das hängt vom durchschnittlichen Wohlstand und der durchschnittlichen Freigiebigkeit der Zuschauer ab. Aber wenn die größten YouTuber 50.000 Abonnenten haben, dann heißt das, daß die kleineren 5.000 bis 15.000 statt 50.000 bis 100.000 haben.
Abstrakter formuliert: Mit einer kleineren Bevölkerung flacht die Kurve von Einsatz und Talent zu Zuschauern ab. Das betrifft nicht nur die Skaleneffekte für jeden Onlineaktivisten, es betrifft die ganze Onlinegemeinschaft; dabei sinken die Synergieeffekte. Zum Beispiel: Das sehr erfolgreiche Format rechter YouTube-Live-Talkshows, das Andy Warski und Jean-François Gariépy zum Durchbruch brachten, ist in Deutschland faktisch nicht existent. Es gibt Livestreams, aber keine regelmäßigen Shows wie diese.
Der Grund ist einfach. Jede Woche müßte man drei oder fünf Diskutanten von einiger Internetberühmtheit in seine Show bekommen. Man bräuchte jede Woche unterschiedliche Diskutanten, und alle müßten zur selben Uhrzeit für wenigstens anderthalb Stunden verfügbar sein. Es gibt einfach nicht genug YouTube-Berühmtheiten in der deutschen Rechten, um ein solches Format am Leben zu erhalten.
Schlußfolgerungen
Demographie zählt; diese Lektion lehren uns nicht nur die Realitäten der multikulturellen Gesellschaft. Demographische Unterschiede sind ein wichtiger Grund dafür, daß die dissidente Rechte in den Vereinigten Staaten so anders aussieht als ihre Gegenstücke in Europa. Natürlich kann man in den USA Aktivismus im echten Leben betreiben, genauso kann man Onlineaktivismus in Europa betreiben. Doch die relative Bedeutung der beiden unterscheidet sich auf beiden Seiten des Atlantiks. Innere Dynamiken spiegeln notwendigerweise die relative Bedeutung von Online- versus Real-Life-Aktivismus wider. Menschen verhalten sich unterschiedlich, je nachdem, ob sie persönlich oder über das Internet miteinander interagieren. Das ist einfach die menschliche Natur, und das kann man nicht verändern.
Diese Unterschiede zwischen der amerikanischen und der europäischen Rechten mögen sich über die Zeit abschwächen, wenn unsere Bewegungen wachsen und dabei die Kapazitäten gewinnen, Arten des Aktivismus zu tragen, für die die entsprechenden Länder weniger als ideal geeignet sind. Doch in der Zwischenzeit sollte man den Satz: „Schau, wie die Europäer das machen, Du Trottel!“ mit Vorsicht genießen.
So weit mein Text von 2018. Je länger ich das hier mache, desto interessanter wird es, zurückzublicken und zu sehen, welche Behauptungen, die man so in den Orkus der Zeit geblasen hat, diese Zeit gut überdauert haben. Ich neige von Natur nicht zum übermäßigen Optimismus, da zeigt eine solche Zeitkapsel nicht nur, welche Probleme uns alles erhalten geblieben sind, sondern auch, wie weit wir seither gekommen sind. 50.000 Abonnenten auf YouTube, das was mal das höchste der Gefühle. Diese Plattform hier, die es ermöglicht selbständig zu veröffentlichen (wenn sie das hier mit einem Vollabonnement für 7€ im Monat unterstützen), gab es noch gar nicht. Es ist wirklich viel passiert in diesen unseren interessanten Zeiten, in denen wir zu leben gesegnet oder verflucht sind.
Die Proteste in deren Folge die Falschmeldung über die “Hetzjagden von Chemnitz” verbreitet wurde.
Bei der Unite the Right Rallye in Charlottesville 2017 wurde der damals 19-Jährige Alex James Fields von linken Gegendemonstranten in seinem Auto angegriffen, bei dem Versuch zu fliehen fuhr er in eine Straßenblockade der Antifa, eine stark übergewichtige Frau namens Heather Heyer kam dabei ums Leben. Fields wurde wegen Mordes zu 419 Jahren Haft verurteilt und sitzt immer noch im Gefängnis.


